Verfasst von:
Jella Friedrich
Ende August ist die Ferienwohnung noch einmal gut belegt, doch nach Wochen mit vielen Gästewechseln wird sichtbar, was der Sommer hinterlassen hat. Eine Schranktür hängt schief, auf dem Parkett sind neue Kratzer zu sehen und die Herdplatte hat einen Sprung. Wer jetzt seine Ferienwohnung reparieren muss, steht schnell vor drei Fragen: Wer zahlt, wer kümmert sich darum und wie viel Geld sollte für solche Fälle bereitliegen?
Schäden in der Ferienwohnung gehören zur Vermietung dazu. Manche entstehen durch Gäste, andere durch normale Abnutzung, Materialermüdung oder Geräte, die nach Jahren ausfallen. Für Eigentümer ist vor allem wichtig, diese Fälle sauber auseinanderzuhalten und Mängel möglichst früh zu erkennen.
Bleibt ein Defekt bis zur Wintersaison unbemerkt, kann aus einer kleinen Reparatur ein echtes Problem werden. Eine kaputte Heizung, ein nicht funktionierendes Kochfeld oder eine beschädigte Dusche lassen sich kurz vor der nächsten Anreise oft nicht mehr ohne Stress beheben. Auch gute Airbnb-Bewertungen erhalten wird schwieriger, wenn Gäste auf einen Mangel treffen, der schon vorher bekannt war.
Gästeschaden oder normale Abnutzung: Wer trägt die Kosten?
Ein Kratzer im Parkett nach vielen Aufenthalten kann normale Abnutzung sein. Eine gesprungene Herdplatte direkt nach einem einzelnen Aufenthalt ist etwas anderes. Ähnlich sieht es bei Bettwäsche aus: Wird der Stoff durch häufiges Waschen dünn, gehört das zum normalen Verschleiss. Ein Brandloch oder ein Schaden, der klar während eines Aufenthalts entstanden ist, kann dagegen ein Gästeschaden sein.
Diese Unterscheidung bestimmt, wie du weitergehst. Normale Abnutzung gehört in deine laufende Instandhaltung der Ferienwohnung. Bei einem klar zuordenbaren Gästeschaden kannst du prüfen, ob der Gast selbst, eine Kaution oder der Schadensprozess der Buchungsplattform greift.
Die Grenze ist nicht immer sauber. Ein Kratzer sagt wenig aus, wenn der Boden bereits viele Gebrauchsspuren hatte. Deshalb lohnt sich eine fortlaufende Dokumentation. Je besser der Zustand vor und nach einem Aufenthalt festgehalten ist, desto leichter lässt sich später nachvollziehen, wann ein Schaden entstanden ist.
Was du melden kannst und was nicht
Airbnb hat für Gastgeber einen eigenen Prozess für Sachschäden. Nach den aktuellen Bedingungen für den Schutz bei Sachschäden muss ein Schaden nachvollziehbar belegt werden. Airbnb nennt dafür unter anderem Fotos, Videos, Rechnungen, Dokumente und Reparaturbelege. Wer einen Schaden geltend machen will, sollte deshalb direkt nach der Entdeckung dokumentieren, was passiert ist.
Bei Booking.com hängt der konkrete Ablauf von den Einstellungen der Unterkunft und dem jeweiligen Schadensmodell ab. Die Plattform ermöglicht unter anderem Kautionen und beschreibt Möglichkeiten, wie Gastgeber mit Schäden durch Gäste umgehen können.
Für dich heisst das praktisch: Fotos vor und nach einem Aufenthalt sind die Grundlage. Am einfachsten wird das Fotoprotokoll direkt mit der professionellen Reinigung der Ferienwohnung verbunden. Die Person, die beim Wechsel ohnehin durch alle Räume geht, kann auffällige Stellen fotografieren und sofort melden.
Wenn ein Schaden erst mehrere Aufenthalte später entdeckt wird, lässt er sich kaum noch sauber zuordnen. Bei Plattformfällen solltest du deshalb immer die aktuell gültigen Fristen und Bedingungen direkt im jeweiligen Hilfebereich prüfen, bevor du eine Forderung einreichst.
Kaution: Hilft sie wirklich?
Eine Kaution kann Schäden absichern, bringt aber einen zusätzlichen Schritt in den Buchungsprozess. Gäste müssen Geld hinterlegen oder akzeptieren, dass ein Betrag bei einem nachgewiesenen Schaden belastet werden kann. Manche Gastgeber verzichten deshalb darauf, um die Buchung möglichst unkompliziert zu halten.
Ob eine Kaution sinnvoll ist, hängt stark von der Wohnung ab. Eine Unterkunft mit empfindlichen Oberflächen, hochwertiger Technik oder teuren Möbeln hat ein anderes Risiko als eine robust eingerichtete Ferienwohnung. Eine pauschale Aussage dazu, wie stark eine Kaution die Buchungsrate beeinflusst, wäre deshalb wenig hilfreich.
Eine Kaution ersetzt keine Dokumentation. Ohne nachvollziehbaren Schaden und klare Belege wird auch mit Kaution schnell diskutiert. Sie ist deshalb eher eine zusätzliche Absicherung als die Lösung für jeden Schadensfall.
Ferienwohnung reparieren, wenn du nicht vor Ort wohnst
Die Reparatur ist oft der einfachste Teil. Schwieriger wird es, wenn du mehrere Stunden entfernt wohnst. Dann braucht es jemanden, der den Schaden prüft, Handwerker organisiert, Zugang zur Wohnung ermöglicht und am Ende kontrolliert, ob die Arbeit erledigt wurde.
Gerade in Bergregionen sind Handwerker nicht immer kurzfristig verfügbar. Die Wege sind länger, Termine müssen koordiniert werden und während der Saison sollen Reparaturen möglichst zwischen zwei Buchungen passen. Deshalb lohnt sich ein Netzwerk vor Ort für Sanitär, Elektro, Heizung, Schreinerarbeiten und kleinere Reparaturen.
Kleine Arbeiten lassen sich häufig in einem Wechsel-Fenster erledigen. Ein lockerer Türgriff, ein defekter Wasserhahn oder der Austausch eines kleinen Geräts sind gute Beispiele. Bei Arbeiten mit viel Lärm, Staub, Wasserunterbruch oder mehreren beteiligten Firmen sollte der Kalender dagegen bewusst blockiert werden.
Wenn du das nicht selbst koordinieren möchtest, kannst du Hauswartung und Instandhaltung vor Ort mit der laufenden Betreuung verbinden. Wichtig ist, dass Kosten und Arbeiten nachvollziehbar bleiben. Ein transparentes Reporting für Eigentümer zeigt dir später, was gemacht wurde, warum die Arbeit nötig war und welche Rechnung dazu gehört.
Was du selbst vorbeugen kannst
Halte deine Inventarliste aktuell, damit klar ist, was zur Wohnung gehört und in welchem Zustand grössere Anschaffungen sind.
Erstelle bei jedem Gästewechsel ein kurzes Fotoprotokoll, vor allem von Küche, Bad, Böden und empfindlichen Möbeln.
Achte bei Neuanschaffungen auf robuste Materialien und darauf, die Ferienwohnung robust einzurichten.
Lagere häufig benötigte Ersatzteile wie passende Leuchtmittel, Batterien, Sicherungen oder Beschläge vor Ort.
Hinterlege eine klare Hausordnung für Kamin, Grill, Haustiere, Geräte und Bereiche mit höherem Schadensrisiko.
Lege Wartungsintervalle für Heizung, Lüftung, Haushaltsgeräte und technische Anlagen fest.
Kontrolliere Anschlüsse, Silikonfugen und sichtbare Leitungen regelmässig, damit kleine Wasserprobleme früh auffallen.
Gib Gästen einen einfachen Meldeweg, damit Defekte möglichst direkt gemeldet werden.
Was du für Reparaturen zurücklegen solltest
Eine feste Rücklage macht die Instandhaltung planbarer. Statt jede Reparatur als unerwartete Ausgabe zu behandeln, kannst du deine tatsächlichen Wartungs- und Reparaturkosten ins Verhältnis zu den Mieteinnahmen setzen. So erhältst du einen Prozentsatz, der zu deiner eigenen Wohnung und ihrer Nutzung passt.
Ein einfaches Rechenbeispiel: Eine Ferienwohnung erzielt CHF 48'000 Mieteinnahmen pro Jahr. Für laufende Reparaturen, Wartung und kleinere Ersatzbeschaffungen sind im Durchschnitt CHF 2'400 angefallen. Das entspricht 5 Prozent der Mieteinnahmen. Für das folgende Jahr könnten deshalb zunächst wieder CHF 2'400 für diesen Bereich zurückgelegt werden.
Die 5 Prozent aus diesem Beispiel sind kein allgemeiner Richtwert für Ferienwohnungen. Entscheidend sind deine eigenen Zahlen. Bei einer älteren Wohnung, vielen technischen Geräten oder hoher Beanspruchung kann der Anteil höher liegen. Bei einer frisch renovierten und robust ausgestatteten Unterkunft kann er niedriger ausfallen.
Grössere Projekte wie eine neue Küche, ein neues Bad oder der Ersatz einer Heizungsanlage solltest du getrennt planen. Solche Ausgaben gehören nicht in denselben Topf wie laufende Reparaturen und kleinere Ersatzanschaffungen.
Häufige Fragen
Wer zahlt Schäden in der Ferienwohnung?
Normale Abnutzung gehört zur laufenden Instandhaltung der Ferienwohnung. Ist ein Schaden klar einem Gast zuzuordnen und gut dokumentiert, kannst du prüfen, ob eine Erstattung durch den Gast, über eine Kaution oder über den vorgesehenen Prozess der Buchungsplattform möglich ist.
Wie kann ich einen Gästeschaden nachweisen?
Hilfreich sind Fotos vor und nach dem Aufenthalt, eine zeitnahe Meldung und Belege zu Reparatur oder Ersatz. Je klarer Zustand, Zeitpunkt und Schaden dokumentiert sind, desto leichter lässt sich der Fall nachvollziehen.
Wie organisiere ich Handwerker für meine Ferienwohnung?
Du brauchst verlässliche Kontakte vor Ort und eine Person, die Zugang zur Wohnung geben kann. Bei einer extern betreuten Ferienwohnung sollte geklärt sein, wer Angebote freigibt, Rechnungen prüft und die ausgeführte Arbeit dokumentiert.
Wie viel Rücklage brauche ich für eine Ferienwohnung?
Eine pauschale Zahl passt nicht zu jeder Wohnung. Nimm deine tatsächlichen Reparatur- und Wartungskosten der vergangenen Jahre, setze sie ins Verhältnis zu den Mieteinnahmen und plane auf dieser Basis die Rücklage für das nächste Jahr.
Fazit
Nach einer stark belegten Sommersaison ist ein guter Zeitpunkt, die Wohnung gezielt auf Schäden und Verschleiss zu prüfen. Was Ende August erkannt und behoben wird, wird nicht im Dezember kurz vor der nächsten Buchung zum Problem.
Für Eigentümer wird die Instandhaltung leichter, wenn drei Dinge stehen: eine saubere Dokumentation, verlässliche Handwerker vor Ort und eine feste Rücklage. Dann lässt sich ein Defekt meist schnell einordnen und organisieren, ohne dass du selbst für jede Kleinigkeit anreisen musst.
Wenn du Reparaturen, Kontrolle und laufende Betreuung deiner Ferienwohnung nicht selbst koordinieren möchtest, kannst du direkt mit uns Kontakt aufnehmen. Wir schauen gemeinsam, welche Aufgaben vor Ort sinnvoll übernommen werden können und wie die Abläufe für deine Wohnung aussehen.
