Verfasst von:
Jella Friedrich
Eine Zielgruppe, die viele Eigentümer noch nicht auf dem Radar haben
Wer eine Ferienwohnung in der Schweiz vermietet, denkt bei Gästen meist an Skifahrer, Wanderer, Städtetouristen oder Familien im Sommerurlaub. Das sind die klassischen Buchungssegmente, und sie sind relevant.
Was viele übersehen: Es gibt eine Zielgruppe, die in den letzten Jahren stark gewachsen ist, die anders bucht als klassische Feriengäste und die für Eigentümer in bestimmten Konstellationen besonders attraktiv ist. Digital Nomads, Menschen, die remote arbeiten und dabei reisen, sind keine Nische mehr. Sie sind ein eigenständiges Buchungssegment mit klaren Anforderungen und klaren Vorteilen für Vermieter.
Dieser Artikel erklärt, wer diese Gäste sind, was sie suchen, warum sie für Ferienwohnungen in der Schweiz interessant sind und was konkret getan werden muss, um sie zu erreichen.
Wer Digital Nomads sind und wie sie reisen
Der Begriff ist breiter als er klingt. Digital Nomads sind nicht nur junge Freelancer mit Laptop am Strand. Es sind Angestellte in Unternehmen mit Remote-First-Politik, selbständige Berater, Entwickler, Designer, Texter und Projektmanager, die ihre Arbeit von jedem Ort mit Internetverbindung erledigen können.
Was sie gemeinsam haben: Sie reisen nicht für einen Urlaub, sondern für einen Aufenthalt. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Eine Woche in Grindelwald bedeutet für sie vier Tage arbeiten und abends wandern, nicht sieben Tage Ski fahren. Ein Monat in Luzern bedeutet tagsüber am Laptop, abends die Stadt erkunden.
Das verändert ihre Anforderungen an eine Unterkunft grundlegend. Und es verändert, was eine gute Ferienwohnung für diese Zielgruppe bedeutet.
Warum Digital Nomads für Eigentümer besonders attraktiv sind
Bevor es um die Anforderungen geht, lohnt es sich zu verstehen, warum diese Zielgruppe wirtschaftlich interessant ist.
Längere Aufenthaltsdauern: Digital Nomads buchen selten für zwei Nächte. Eine Woche ist die Untergrenze, zwei bis vier Wochen sind häufig, ein Monat oder länger ist nicht selten. Das bedeutet für Eigentümer: weniger Gästewechsel, weniger Reinigungsaufwand und eine stabile Auslastung über einen längeren Zeitraum.
Nebensaison-Buchungen: Digital Nomads reisen nicht nach Ferienkalender. Sie buchen dann, wenn die Destination attraktiv ist und die Preise stimmen, unabhängig von Schulferien oder Feiertagen. Das macht sie zur wichtigsten Zielgruppe für die Nebensaison, wie wir im Artikel Nebensaison Ferienwohnung – so bleibt die Auslastung das ganze Jahr stabil beschreiben.
Geringeres Schadensrisiko: Digital Nomads sind in der Regel ruhige, sorgfältige Gäste. Sie verbringen viel Zeit in der Wohnung und behandeln sie wie ein temporäres Zuhause, nicht wie einen Party-Ort. Das Schadensrisiko ist statistisch niedriger als bei anderen Gästesegmenten.
Direkte Buchungen und Stammgäste: Wer einen guten Aufenthalt hatte, kommt wieder. Digital Nomads, die eine Destination und eine Wohnung mögen, kehren zurück. Das Potenzial für Wiederbuchungen ist bei dieser Zielgruppe höher als bei klassischen Urlaubsgästen.
Was Digital Nomads in einer Ferienwohnung suchen
Die Anforderungen dieser Zielgruppe unterscheiden sich in einigen Punkten deutlich von klassischen Feriengästen. Wer das versteht, kann seine Wohnung gezielt optimieren.
Stabiles, schnelles WLAN ist nicht verhandelbar. Das ist der entscheidende Faktor. Ein Digital Nomad, der für einen Videocall auf eine stabile Verbindung angewiesen ist, bucht eine Wohnung mit schlechtem Internet nicht ein zweites Mal und bewertet sie entsprechend. Die Verbindungsgeschwindigkeit sollte im Inserat angegeben werden, idealerweise mit konkreten Zahlen. Ein Speedtest-Screenshot im Inserat oder in der Beschreibung ist mehr wert als jede Beschreibung.
Ein funktionaler Arbeitsplatz. Ein Küchentisch, auf dem auch gegessen wird, reicht für kurze Aufenthalte. Für eine Woche oder länger braucht es einen dedizierten Schreibtisch mit einem ergonomischen Stuhl und ausreichend Steckdosen. Das muss nicht teuer sein, aber es muss vorhanden und funktional sein.
Eine gut ausgestattete Küche. Wer wochenlang in einer Unterkunft lebt, kocht selbst. Was Gäste dabei brauchen, haben wir ausführlich im Artikel Ferienwohnung einrichten für Airbnb – was Gäste wirklich erwarten beschrieben. Für Digital Nomads gilt das in besonderem Mass.
Flexibler Check-in und Flexibilität bei Aufenthaltsdauer. Wer remote arbeitet, hat manchmal einen Projektabschluss, der eine Verlängerung des Aufenthalts sinnvoll macht. Eigentümer, die mit etwas Flexibilität bei Verlängerungen umgehen können, machen sich für diese Zielgruppe attraktiver.
Waschmaschine. Wer länger bleibt, wäscht. Eine Waschmaschine in der Wohnung ist für Kurzurlauber ein Bonus, für Digital Nomads eine Grundvoraussetzung.
Welche Standorte in der Schweiz besonders attraktiv sind
Die Schweiz ist für Digital Nomads grundsätzlich attraktiv: hohe Lebensqualität, gute Infrastruktur, sichere Umgebung und landschaftliche Schönheit. Gleichzeitig ist die Schweiz teuer, was diese Zielgruppe nicht abschreckt, aber bewusster auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achten lässt.
Städtische Destinationen wie Luzern sind für Digital Nomads attraktiv, weil sie Coworking Spaces, Cafés und eine gute ÖV-Anbindung bieten. Wer abends etwas erleben möchte, ist in einer Stadt besser aufgestellt als in einem abgelegenen Bergdorf.
Gleichzeitig wächst das Interesse an ruhigeren Destinationen. Grindelwald,Engelberg oder Interlaken bieten eine Qualität, die viele Digital Nomads aktiv suchen: Natur direkt vor der Tür, Ruhe zum Konzentrieren und trotzdem eine funktionierende Infrastruktur.
Was für alle Standorte gilt: Die Erreichbarkeit per ÖV ist für Digital Nomads wichtiger als für Autofahrer-Touristen. Die Schweiz punktet hier generell, aber es lohnt sich, die ÖV-Anbindung im Inserat hervorzuheben.
Wie man Digital Nomads mit dem Inserat erreicht
Diese Zielgruppe aktiv anzusprechen erfordert einige Anpassungen im Inserat und in der Plattformstrategie.
Airbnb hat eine eigene Kategorie für Langzeitaufenthalte und ermöglicht es, Wochentarife und Monatstarifen anzubieten. Wer diese Optionen nicht aktiviert hat, ist für Gäste mit Langzeitbuchungsabsicht weniger sichtbar.
In der Inseratbeschreibung sollten die relevanten Faktoren explizit erwähnt werden: Internetgeschwindigkeit, Arbeitsplatz, Waschmaschine, Küche. Was für einen Wochenend-Gast selbstverständlich wirkt, ist für einen Digital Nomad eine aktive Suchkategorie.
Auf Booking.com und anderen Plattformen gibt es ähnliche Möglichkeiten. Eine Vermarktung über mehrere Kanäle, die diese Zielgruppe aktiv anspricht, erhöht die Buchungswahrscheinlichkeit in dieser Zielgruppe erheblich.
Preisgestaltung für längere Aufenthalte
Digital Nomads erwarten bei längeren Aufenthalten einen Rabatt gegenüber dem Tagessatz. Das ist marktüblich und wird von Airbnb durch automatische Wochenrabatt- und Monatsrabatt-Funktionen unterstützt.
Was konkret sinnvoll ist: ein Wochenrabatt von zehn bis fünfzehn Prozent und ein Monatsrabatt von zwanzig bis dreissig Prozent gegenüber dem normalen Tagessatz. Das klingt nach einer Einbusse, muss aber gegen den Vorteil gerechnet werden: weniger Wechsel, weniger Reinigungsaufwand und eine garantierte Auslastung über einen längeren Zeitraum.
In der Nebensaison ist ein Monatsbucher zu einem reduzierten Preis wirtschaftlich fast immer besser als vier Wochen mit sporadischen Kurzaufenthalten zu einem höheren Tagessatz. Eine datenbasierte dynamische Preisstrategie kann diese Logik automatisiert abbilden, sodass Langzeitpreise nicht manuell gesetzt werden müssen.
Was Eigentümer konkret tun können
Die Anpassungen, die eine Wohnung für Digital Nomads attraktiv machen, sind in den meisten Fällen nicht teuer. Ein guter Router, ein Schreibtisch und ein ergonomischer Stuhl sind überschaubare Investitionen mit direkter Wirkung auf die Buchbarkeit für diese Zielgruppe.
Was mehr Aufwand erfordert, ist die Anpassung des Inserats und der Plattformkonfiguration. Wochenrabatte aktivieren, Mindestaufenthalte für die Nebensaison anpassen, die Beschreibung um die relevanten Arbeitsfaktoren ergänzen. Das ist einmalig, wirkt aber dauerhaft.
Wer seine Wohnung professionell verwalten lässt, kann diese Optimierungen als Teil des Onboardings klären. Wie das bei Immohost konkret abläuft, erklärt unsere Seite zum Ablauf.
Fazit: Eine Zielgruppe, die sich lohnt zu erschliessen
Digital Nomads sind keine Nischenzielgruppe mehr. Sie sind ein wachsendes Buchungssegment, das für Ferienwohnungen in der Schweiz besonders attraktiv ist, weil es längere Aufenthalte bucht, in der Nebensaison aktiv ist und das Schadensrisiko gering hält.
Wer seine Wohnung mit wenigen, gezielten Anpassungen auf diese Zielgruppe ausrichtet, erschliesst ein Nachfragesegment, das viele Konkurrenzwohnungen noch nicht aktiv ansprechen. Das ist ein echter Vorteil in einem zunehmend kompetitiven Markt.
Sie möchten wissen, ob und wie Ihre Wohnung für Digital Nomads attraktiv gemacht werden kann?
Wir schauen uns Ihre Wohnung an und zeigen Ihnen konkret, welche Anpassungen den grössten Effekt hätten.
